Zum Inhalt

Zur Navigation

Newsletter
Alois und Annerose Riedl

Im Atelier des Künstlers sieht man sich der unsortierten und unzensurierten Bandbreite des Werkes gegenüber –

Fertiges steht neben Unfertigem, neben verworfenen Ideen, neben Begonnenem – nicht etwa wie in der Galerie- oder Museumssituation, wo bereits durch Kuratoren oder Galeristen nach bestimmten Kriterien vorausgewählt und entsprechend präsentiert wurde.

In Ecken und Winkeln verbergen sich oft kleine Schätze, die es gilt zu entdecken oder wiederzuentdecken. Im Abseits, im Entlegenen, in einer verborgenen Ecke – hier beginne ich meine Suche, wenn ich bei befreundeten Künstlern eingeladen bin, ein Kunstwerk zu tauschen. Hier ist der Ort wo ich mich als Künstler bei Kollegen gerne umsehe, auf Entdeckungsreise gehe und mich gleichzeitig daheim fühle.

Besucht ein Künstler das Atelier eines anderen, dann teilen sie den Blick für das Prozessuale, das Interesse für das Entstehen, die Machart, die Materialität. Solche Begegnungen sind für beide Seiten bereichernd, eine Fragestellung, die sich aus dem fremden Blick ergibt kann dem Künstler, der sein Atelier öffnet, eine neue Sicht auf eine eigene Arbeit eröffnen.

Das Atelier markiert den Entstehungspunkt eines Kunstwerkes, in dem es sich vom Zustand des Geistigen, von der vagen Ahnung hin zum ersten Pinselstrich bewegt und konkrete materielle Formen annimmt, das Atelier ist der Ort, in dem ein Künstler irgendwann erkennt, das Bild ist fertig. Besucht ein Künstler das Atelier eines anderen, dann teilen sie den Blick für das Prozessuale, das Interesse für das Entstehen, die Machart, die Materialität. Solche Begegnungen sind für beide Seiten bereichernd, eine Fragestellung, die sich aus dem fremden Blick ergibt kann dem Künstler, der sein Atelier öffnet, eine neue Sicht auf eine eigene Arbeit eröffnen.

Gabriele Kutschera

Wenn man mit dem Werk des Künstlers vertraut ist, den Künstler bereits persönlich kennt oder sogar mit ihm befreundet ist, gewinnen solche gegenseitigen Besuche, die sich nicht nur zu Tauschgelegenheiten ergeben, an Tiefe.

Alois Riedl, Helmut Swoboda und Lorenz Estermann als spontane Beispiele, schätze ich nicht nur aufgrund ihrer künstlerischen Positonen, mit ihnen verbinden mich langjährige Freundschaften, in denen wir gegenseitig unser Arbeiten mit Interesse verfolgten.

Mit diesen Künstlern habe ich Arbeiten getauscht - nicht nur eine: Die Geschichte der langen Verbundenheit mit Alois spiegelt am besten eine Nische in meinem Haus wider, die von mir so genannte "Riedl-Nische", in der ich ein Konvolut mehrerer seiner Arbeiten aus unterschiedlichen Jahrzehnten in verschiedenen Techniken arrangiert habe; dazwischen lehnt eine Holzskulptur von Annerose Riedl; daneben hängt eine Arbeit von Helmut Swoboda.

Mit Künstlern derselben Generation verbindet einen manchmal eine ähnliche Sozialisation des künstlerischen Blicks oder der Zugriff auf neue Techniken und Materialien; eine Druckarbeit von Lorenz Estermann erinnert mich nicht zuletzt an unsere Kooperation im Rahmen seiner "Instant Edition", dem Handel mit künstlerischen Editionen.

Helmut Swoboda
Hubert Scheibl, Lorenz Estermann
Patrick Schmierer im Atelier von Alois Riedl.

Wenn Künstler also Kunst sammeln

meint Leben mit Kunst

im besten Fall

Leben mit Freunden.

 

Patrick Schmierer

Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 28. Februar 2018 gepostet.

Museum Angerlehner