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Die Venus ist gekommen

Billi Thanner - Eine zeitgenössische Aktionistin im Interview

Du giltst als Protagonistin einer neuen Generation von zeitgenössischen Aktionisten, die mit ihren konzeptuellen Arbeiten gesellschafts- und umweltpolitische Themen ansprechen, der sich die heutige Gesellschaft stellen soll und muss. Dabei bist du in deiner Ausdrucksweise sehr vielfältig: Du malst, schaffst Skulpturen, inszenierst Rauminstallationen und oft begleitet eine Performance die Werkgruppe. Wie wichtig ist dir die Freiheit sich in so vielen verschiedenen Medien auszudrücken, um aufzudecken, aufzurütteln oder vielleicht sogar zu schockieren?

Am Anfang hat man eine Idee … dann versuche ich, wie jetzt bei der Ausstellung im Museum Angerlehner mit "Die Venus ist gekommen" so nahe wie es nur geht was ich mir vorstelle, auch so darzustellen. Hier eignet sich eine Performance perfekt dazu. In weiteren Arbeiten, wie im Moca Museum in Peking, ging es um die Smog Problematik dieser Welt. "No air no art" - nenne ich das fortlaufende Projekt. Am Anfang empfand ich es als ausreichend Schutzmasken für Bäume zu bauen, aber ein Jahr später war mir dies zu wenig. Ich drehte zur Performance ein Video mit über 20 SchauspielerInnen. Für mich gibt es nichts anderes. Ich kann mich nicht mit nur einer Art der Darstellung zufrieden geben und wenn doch, dann passiert es eher sehr, sehr selten.

Wie wichtig ist für dich die Rolle des Betrachters?

Der Betrachter ist das Wichtigste! Es kommt ja nach der getaner Arbeit als Vollendung des Kunstwerks dazu. Sobald es eine Meinung des Betrachters gibt, kannst du dir sicher sein, dass deine Arbeit einen Sinn erfüllt.
Wenn einem Künstler egal ist was der Betrachter sieht, denkt, empfindet, so zeigt es von großer Respektlosigkeit. Es darf dir nie egal sein was der Betrachter sieht, ob im positiven oder negativen Sinne! Ein Betrachter ist der Spiegel des Kunstwerks!

Kann der / die aktionistische KünstlerIn auch als Seismograph der Gesellschaft verstanden werden?

Die Aktionisten haben ihre Arbeit, bevor ich auf die Welt kam, schon grandios gemeistert. Sogar die Dadaisten, noch vor den Aktionisten, haben sich so viel getraut. Darum geht es ja: dass man sich was traut. Mut und ein aktionistischer Künstler sind die besten Freunde. Ohne Mut geht da gar nichts. Auch heute polarisieren Aktionisten, obwohl es gar nicht so viele mutige Künstler mehr gibt. Unsere Generationen sind für ein Erdbeben mehr oder weniger verweichlicht. Es ist eine unglaubliche Wiederholung geboten, die einen Kenner der Kunstgeschichte sehr auf die Nerven gehen kann. Ich würde mir wünschen, dass es ein Beben in der Kunst gäbe und keine gespielte Handlung, kein Aufgreifen von Themen wie Flüchtlings- oder Umweltproblematiken nur auf Grund des Gefallens wegen, weil das gerade so hip ist. Es ist dann besser, es ganz sein zu lassen.

Ein besonderes Charakteristikum ist das Arbeiten in Serien, wo du einen bestimmten Aspekt herausnimmst und ihn von allen Seiten her beleuchtest. Im Museum Angerlehner wird im Mai deine neueste Werkgruppe "Die Venus ist gekommen" im Salon präsentiert, die sich mit dem Rollenbild der Venus auseinandersetzt. Im Foyer werden zwei Arbeiten aus deiner vorangegangenen Gruppe "Kommende Venus" aus dem Jahr 2008 gezeigt, wobei das querformatige Bild "Meine Freundinnen" das Hauptwerk deiner neuen Serie in der Komposition vorweg nimmt. Das Thema der Venus ist also ein wiederkehrendes in deinem Oeuvre. Welche spezifischen Fragen möchtest du dem Betrachter damit aufzeigen?

Die „Kommende Venus“ habe ich 2008 als eine Serie mit 18 Arbeiten begonnen. Die Titel erzählen über die Entwicklung der Frauen von der Antike bis ins Heute des westlichen Europa. Die 18. Arbeit ist das 4 x 2 Meter große Leinwandbild, das 11 Frauen aus unserer Zeit zeigt. Die Ausstellung sagt - die Venus ist gekommen - so ist das Bild von 2008 der Leitfaden der jetzigen Ausstellung.
Die Protagonisten in der Performance auf der Bühne erläutern noch zusätzlich durch Sprache, Tanz und Gesang, worum es mir geht. Ich freue mich jetzt schon auf die Eröffnung. Es wird sehr aufregend, denn es wird eine Liveperformance und wir proben nicht.

Ironie scheint ein wichtiger Punkt in deinem Schaffen zu sein?

Natürlich wichtig, denn wie sonst willst du etwas darstellen, ohne jemanden direkt zu beleidigen. Das will ich nicht. Also statt zu beleidigen, bin ich lieber zweideutig, ironisch und humorvoll.

Liebe Billi, danke für das Gespräch.

Dieser Beitrag wurde in Aktuelle Ausstellungen am Donnerstag, 11. Mai 2017 gepostet.

Museum Angerlehner